Road Rage

(Diesen Post habe ich wütend geschrieben)

Ich muß leider sagen, daß ich inzwischen ziemlich zu Road Rage neige. Der Münchner Straßenverkehr ist für RadfahrerInnen nicht so besonders, aber manche Stellen sind besonders übel.

Ich fahre jeden Mittwoch von Milbertshofen nach Schwabing, um mein Gemüse abzuholen. Das sieht folgendermaßen aus:

Auf einer kleinen Straße radle ich etwa 200 Meter zur Schleißheimerstaße. Hier ist ein wirklich sehr schmaler Radweg, der gerade so für eine Radlerin reicht. Regelmäßig stehen hier Autofahrer mit einem Rad auf dem Radweg, so daß die Radler auf den Fußgängerweg ausweichen müssen, der ebenfalls sehr schmal ist, und da ist direkt ein Discounter, also viel los, da muß ich meistens zum ersten mal wegen Scheiße geparkten Autos bremsen.

Direkt nachdem ich in die Schleißheimerstraße eingebogen bin, ist ein kleiner Imbiß an einer Einfahrt, und da parken quasi immer Leute auf dem Gehweg, manchmal auch gleich 2 oder drei, und manchmal auch auf dem Radweg. Alle „nur kurz“, aber da brems ich gleich nochmal für scheiße geparkte Autos. Ach ja, und davor ist ein Autohänder, oder so was, da stehehen auch öfter mal Autos quer über dem Gehweg, so daß Fußgängerinnen auf den Radweg ausweichen.

Etwa Hundert Meter weiter ist ein Pizza-Lieferdienst, der parkt immer ein Lieferfahrzeug quer über den Gehweg, und manchmal ein zweites auf dem Radweg, und KundInnen parken auch gerne auf dem Radweg.Hier brems ich meistens schon wieder wegen Scheißeparkern.

Nochmal 200 Meter weiter ist ein Restaurant, da Parken gerne mal auch Kundinnen in der Einfahrt quer über den Gehweg, so daß die Fußgängerinnen auf den Radweg ausweichen.

Im Anschluß habe ich etwa 400 Meter ganz normalen Verkehrswahnsinn bis zum nächsten Discounter, wo gerne alle möglichen Leute ohne zu schauen auf den Radweg rennen. Nochmal ein Stückchen weiter ist eine Tankstelle, die viele auch zum Parken verwenden, da parkt oft ein Lieferwagen überstehend in den Gehweg, und zwar so blöd, daß man Schrittempo fahren muß, weil man die Tankstellenausfahrt wegen dem Scheißeparker nicht überblicken kann. In diesem Abschnitt ist auch irgendwo ne Baustelle, und die HandwerkerInnen parken da auch gerne Komplett aufm Radweg und in den halben Gehweg rein.Da ist fast jedes mal mindestens einer dabei, wegen dem ich Bremsen muß.

Dann kommt nochmal ein Lieferservice, der auch bis zu drei Fahrzeuge so parkt, daß sie entweder in den Radweg reinragen, oder komplett draufstehen.

Und dann bin ich erst am Petuelring, das ist noch nichtmal die halbe Strecke. Auf dem Rest der Strecke sind dann nur die üblichen Behindernisse, die man halt immer wieder so hat, abgesehen von einem Gemüsehändler, der gerne mal nach dem Auto ausladen Kisten auf dem Radweg stehen lässt.

Auf dem Rückweg läuft es im Schwabinger Abschnitt meistens gut, aber kaum überm Petuelring drüber, parken da regelmäßig Leute ohne erkennbare Gründe mitten auf dem Gehweg oder auch auf dem Radweg. Immer wieder so auf 700 Metern, da parken die Autos auch gerne auf Grünstreifen, oder an Straßenecken, also da würde die Stadt sich ne goldene Nase verdienen, wenn sie da mal Politessen hinschickt. Ich hab leider noch nie eine gesehen, die würde ich sofort küssen!

Dann kommt die Bücherei, davor ist ein sehr breiter Gewhweg, da hab ich schon bis zu 7 Autos kreuz und quer parken sehen, ich hab es nur einmal erlebt, daß da gar keiner stand.

Der breite Gehweg geht dann weiter, an einer Häuserreihe entlang, und der wird auch komplett als Parkplatz betrachtet. Da ist keine Baustelle, aber da Parken regelmäßig Handwerker aufm Gehweg, ich glaube, die wohnen da.Und da weichen die Fußgängerinnen dann auch gerne auf den Radweg aus.

Ich radel da also jeden Mittwoch lang, und ich werde regelmäßig stinkewütend, das ist inzwischen die einzige längere Strecke, die ich regelmäßig radle, und ich weiß nicht wohin mit meinem Ärger.IMG_3973

Allerdings habe ich letztes Jahr etwas total tolles geschenkt bekommen, ein Post-It-Blöckchen mit lauter Klebezettelchen, wo „Scheiße geparkt“ draufsteht. Das ist ein richtig guter Blitzableiter, den Scheißeparkerinnen so einen Zettel auf die Windschutzschreibe zu kleben. Ich gehe sehr sparsam mit den Klebchen um, und ich hab auch nicht jedes mal Bock abzusteigen, nur wenn ich wirklich wütend bin, aber es hilft schon deutlich. Kann ich sehr empfehlen. Leider sind die etwas teuer, aber man kann sie bestellen, einfach mal nach „Scheiße geparkt“ suchen. Mein Blöckchen ist schon fast leer, und ich muß jetzt überlegen, ob ich ne Großbestellung mache oder was…ich kann es mir nicht mehr ohne vorstellen ;-) …also falls noch jemand Interesse hätte, bitte Bescheid sagen…

Ich weiß, daß Road Rage kein besonders sympathischer Charakterzug ist, und ich muß zugeben, daß ich auch gelegentlich AutofahrerInnen schwach anrede, wenn ich sie erwische, aber das ist mit den Klebchen spürbar zurückgegangen. Also die sind schon ne gute Therapie!

Rant: „Nazis sind dumm und Hartz4-EmpfängerInnen, die nichts zum Bruttosozialprodukt beitragen“

Ich ärgere mich in letzter Zeit ziemlich oft über ein paar Sachen, mit denen Nazis/Pegida usw. von links (oder auch mal aus der Gesellschaft) angegriffen werden.
Pegida sind scheiße, weil sie zum Beispiel fremdenfeindlich und menschenverachtend sind, aber nicht weil sie dumm sind (wenn sie das überhaupt überwiegend sind, ich halte das ja für ein Vorurteil). Es gibt Menschen, die weniger intelligent sind, in allen politischen Lagern. Und Menschen dafür anzugreifen, daß sie vielleicht weniger intelligent sind, finde ich unter aller Kanone. Würdet ihr einen Pedigisten dafür angreifen, daß er im Rollstuhl sitzt? Intelligenz sucht man sich nicht aus und das lässt sich auch nicht aus eigenem Willen ändern, eine fremdenfeindliche Gesinnung schon. Und wenn Ihr euch mit den Rechtschreibfehlern von Rechten aufhaltet, habt ihr das Thema verfehlt.Vielleicht habt ihr allen Grund wütend und sauer zu sein auf Rechte, und vielleicht lohnt es sich nicht mit ihnen zu diskutieren, aber ihr habt, gerade auf Twitter oder Facebook oder so, möglicherweise ein Publikum. Und bei der Person, die ihr wegen der Rechtschreibfehler verhöhnt, ist vielleicht Hopfen und Malz verloren, aber die 20 stillen MitleserInnen, die noch unentschieden sind, ob sie Pegida gut finden, die erwischt ihr mit Eurem Hohn gegebenenfalls auch gleich mit. Und wenn sie auch nicht so gut rechtschreiben können, stellt ihr sie gleich auch in eine Ecke. Find ich jetzt keine gute Idee. Und die Leute aus dem linken Spektrum oder sonstwoher, die auch nicht gut rechtschreiben können, die verhöhnt ihr auch gleich mit. Wie arrogant ist das denn? Meine Rechtschreibung ist unter aller Kanone, ich mache fast in jedem Tweet Fehler, und ich sag Euch was: Das disqualifiziert mich nicht in einer politischen Diskussion und auch nicht als Mensch. Und ganz ehrlich: Gibt es nicht wahrlich ausreichend andere Sachen, mit denen Ihr Rechte konfrontieren könnt?

Ich ärgere mich auch saumäßig, wenn unterstellt/vorgeworfen wird, daß die Pegidaleute überwiegend Harz4-EmpfängerInnen sind und nichts zum Bruttosozialprodukt beitragen. Na und? Hat die Linke keine Erwerbslosen Mitglieder? Gehen die Leute in besetzten Häusern alle einer geregelten Arbeit nach und zahlen Steuern? Was soll denn das überhaupt? Wir leben hier alle in einem Sozialstaat, und wenn es keine Arbeit gibt zahlen wir nach ner Weile Hartz4, das ist keinesfalls ein Spaß da am empfangenden Ende zu sitzen und das wird jetzt den Rechten von links vorgeworfen? Und aus der gleichen Richtung wird ein bedingungslosen Grundeinkommen und das Ende der Sanktionen gefordert und Kapitalismuskritik zelebriert? Ihr habt sie doch nicht mehr alle. Jemand verhöhnen, weil er/sie Hartz4 bezieht. Mir dabei scheißegal ob rechts oder links. Überprüft doch mal eure Privilegien.

Ich beziehe diesen Rant auf Tweets, die mir in letzter der Zeit untergekommen sind. Ich bin keine Rechte und ich verteidige auch keine Rechten, ich verteidige mich selbst als Rechtschreibschwache und Hartz-4-Empfängerin, die keinen Beitrag zum Bruttosozialprodukt leistet, weil ich überhaupt keinen Bock drauf habe, von Links gleich mit diskreditiert zu werden. Das ist nicht als persönlicher Angriff auf irgendjemand gedacht, ich bin generell gerade hier etwas aufgebracht und auch wenn ich „Ihr“ schreibe meine ich nicht jedeN EinzelneN von Euch.

Kleiner Rant zur Berichterstattung über Hartz-IV-Sanktionen

Heute habe ich sowohl in der Süddeutschen Online (Artikel hab ich nicht mehr gefunden) wie auch in der Welt Online Artikel zum Thema Hartz-IV Sanktionen gelesen, und ich bin in beiden Fällen zum wiederholten Male echt wütend geworden. Aufgrund der teilweise sehr ähnlichen Formulierungen gehe ich davon aus, dass beide auf der gleichen dpa-Meldung basieren.

Was mich ärgert ist folgendes: Fast immer wenn man in den Mainstream-Medien etwas zum Thema Hartz-IV Sanktionen liest, steht etwa Folgendes im Artikel: „Im Zuge der Hartz-Reformen haben Arbeitsämter die Möglichkeit bekommen, Hartz-IV-Empfänger zu sanktionieren: etwa wenn sie Termine versäumen, Schulungen schwänzen oder die Aufnahme einer zumutbaren Arbeit verweigern“. (Hier aus dem Welt-Artikel).
Also immer sind die Hartz-IV-EmpfängerInnen die Schuldigen. Kann das nicht neutraler formuliert werden? Das ist total tendentiös und untermauert Vorurteile. Im gleichen Artikel geht es darum, daß 42% der KlägerInnen, die gegen die Sanktionen klagen Recht bekommen. Das liegt nicht etwa daran, daß die RichterInnen es ok finden, wenn sie „Schulungen schwänzen“, sondern daran, daß die Sanktionen zu unrecht ausgesprochen wurden und es offenbar andere wichtige Gründe für das Fernbleiben gab, was sie vor Gericht offenbar glaubhaft darlegen konnten. In 42% der Fälle waren also nicht die Hartz-IV-EmpfängerInnen faul oder schusselig, sondern die, die die Sanktionen ausgesprochen haben, haben unsauber gearbeitet. Und diese Seite kommt mir keinem einzigen Wort in der Berichterstattung vor.

Und dann sind diese Hartz-IV Empfänger auch noch so unverschämt und machen den Gerichten so viel Arbeit? Und auch noch auf Staatskosten? Wie frech. Da nimmt ihnen jemand in 42 % der Fälle unrechtmäßig einen Teil Ihres Existenzminimums und sie wehren sich auch noch dagegen?
Liebe JournalistInnen, 42% sind keine Ausnahmen und keine Einzelfälle, das sind mehr als es CDU-WählerInnen gibt. Macht doch Eure Arbeit ordentlich und berichtet neutral.

 

Ergänzung vom 12.7.: Es geht sogar noch um deutlich mehr als um 42 Prozent