Kleiner Rant zur Berichterstattung über Hartz-IV-Sanktionen

Heute habe ich sowohl in der Süddeutschen Online (Artikel hab ich nicht mehr gefunden) wie auch in der Welt Online Artikel zum Thema Hartz-IV Sanktionen gelesen, und ich bin in beiden Fällen zum wiederholten Male echt wütend geworden. Aufgrund der teilweise sehr ähnlichen Formulierungen gehe ich davon aus, dass beide auf der gleichen dpa-Meldung basieren.

Was mich ärgert ist folgendes: Fast immer wenn man in den Mainstream-Medien etwas zum Thema Hartz-IV Sanktionen liest, steht etwa Folgendes im Artikel: „Im Zuge der Hartz-Reformen haben Arbeitsämter die Möglichkeit bekommen, Hartz-IV-Empfänger zu sanktionieren: etwa wenn sie Termine versäumen, Schulungen schwänzen oder die Aufnahme einer zumutbaren Arbeit verweigern“. (Hier aus dem Welt-Artikel).
Also immer sind die Hartz-IV-EmpfängerInnen die Schuldigen. Kann das nicht neutraler formuliert werden? Das ist total tendentiös und untermauert Vorurteile. Im gleichen Artikel geht es darum, daß 42% der KlägerInnen, die gegen die Sanktionen klagen Recht bekommen. Das liegt nicht etwa daran, daß die RichterInnen es ok finden, wenn sie „Schulungen schwänzen“, sondern daran, daß die Sanktionen zu unrecht ausgesprochen wurden und es offenbar andere wichtige Gründe für das Fernbleiben gab, was sie vor Gericht offenbar glaubhaft darlegen konnten. In 42% der Fälle waren also nicht die Hartz-IV-EmpfängerInnen faul oder schusselig, sondern die, die die Sanktionen ausgesprochen haben, haben unsauber gearbeitet. Und diese Seite kommt mir keinem einzigen Wort in der Berichterstattung vor.

Und dann sind diese Hartz-IV Empfänger auch noch so unverschämt und machen den Gerichten so viel Arbeit? Und auch noch auf Staatskosten? Wie frech. Da nimmt ihnen jemand in 42 % der Fälle unrechtmäßig einen Teil Ihres Existenzminimums und sie wehren sich auch noch dagegen?
Liebe JournalistInnen, 42% sind keine Ausnahmen und keine Einzelfälle, das sind mehr als es CDU-WählerInnen gibt. Macht doch Eure Arbeit ordentlich und berichtet neutral.

 

Ergänzung vom 12.7.: Es geht sogar noch um deutlich mehr als um 42 Prozent

One thought on “Kleiner Rant zur Berichterstattung über Hartz-IV-Sanktionen

  1. Genau!!
    Was erschwerend hinzukommt, ist, daß die überlasteten Gerichte häufig den Sachverhalt gar nicht überprüfen und sich so der Möglichkeit begeben, festzustellen, ob die Sanktion auch verhältnismäßig ist im Vergleich zu dem, was mit der Sanktion durchgesetzt werden sollte. Es gibt auch RichterInnen, die tun das, und kassieren in der Folge ALLE Sanktionen, die ihnen vor die Nase kommen.

    Termine? Wenn ich will, daß jemand sich mit mir verabredet, und dann auch zu einem Termin erscheint, muß a) die Person irgendeinen Grund dafür haben, zum Beispiel, daß sie mich mag, etwas von mir will, oder, oh Wunder, ich muß ihr eine Dienstleistung anbieten, die ihr Nutzen bringt. (Dreckiges Lachen von der H4-Strafbank.)
    Und b) muß ich den Termin halt einvernehmlich mit der Person vereinbaren.
    Solche elementaren Grundregeln des menschlichen Miteinanders gelten halt nicht, wenn man “Kundin” beim Jobcenter ist.
    Und dann machen sie gaaaanz große Augen und wundern sich, daß die Erwerbslosen nicht zu den Terminen kommen, und wenn wir doch kommen, daß sie dann Angst vor uns haben.
    Hätt ich nämlich auch, wenn ich mich anderen Leuten gegenüber so aufführen würde wie manch ein Beschäftigter im Jobcenter.
    Und das war jetzt nur das Thema Termine.

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