Erntedank

img_4431Erntedank ist ja sowohl ein christlicher wie auch ein heidnischer Brauch. Ich kann mich noch erinnern, daß es in meiner Kindheit Erntedankgottesdienste gab, und seitdem hatte ich damit nichts mehr am Hut.
Jetzt wo der Garten winterfest ist und ich auf die Saison zurückschaue, bin ich aber ganzschön dankbar dafür, was der Garten mir geschenkt hat, und auch allen Menschen, die zum Garten in irgendeiner Form beigetragen haben.img_4338

Da ist meine Vermieterin, die mir erlaubt die Fläche zu nutzen, und auch den Gartenschlauch, und ich muß nichts extra dafür bezahlen. Da ist mein „Gartensponsor“, der schon im zweiten Jahr hintereinander mit einer Finanzspritze geholfen hat, und es so viel leichter macht, daß ich Erde oder Samen oder Biodünger oder Tomatenspiralen oder Gartendraht oder so Sachen kaufen kann. Da ist meine Schwester, die ein Auto hat und ab und zu was transportiert, was ich mit dem Fahhrad sonst nicht herbekommen hätte, mein Papa, dem ich immer den halben Komposthaufen wegschnorre, meine Mama, die immer allen möglichen Sachen die ich bräuchte,wie einen Topf in der passenden Größe oder Vorziebehälter noch rumliegen hat oder mir die Gartenschere für ne Woche leiht, wenn ich die Beeren zurückschneiden will. Und alle SamentauscherInnen, die es mir möglich machen, eine größere Variation in meinen Pflanzen zu haben. Und die GärterInnen und BalkongärtnerInnen aus der Nachbarschaft, wo übrige Pflänzchen hin- und her verschenkt werden, dieses Jahr habe ich zwei Pflücksalate und einige gelbe Cocktailtomaten geschenkt bekommen, außerdem eine Himbeerpflanze und eine essbare Physalis, einen Farn und einen Sonnenhut.

All diese Menschen tragen dazu bei, daß es mir überhaupt möglich ist, den Hinterhofgarten zu haben und daß das so eine schöne Sache ist. Von Herzen vielen Dank für das alles.

Und ich bin auch dankbar dafür, was der Garten für meine Gesundheit und für meinen Seelenfrieden tut. Meine Knie sind nicht ganz so dankbar, aber der Garten sorgt die ganze Saison über dafür, daß ich täglich ein bißchen Zeit draußen verbringe, das Wetter spüre, mich bewege und meine Sorgen vergesse, bei der Gartenarbeit kann ich immer sehr gut abschalten. Und er gibt mir eine sinnvolle Aufgabe, einen Grund morgens aufzustehen, als EU-Rentnerin ohne Familie habe ich ja sonst erstmal keinen, und ich habe Phasen, in denen das wichtig ist.
Und es ist toll, den Pflanzen beim wachsen zu helfen und zuzuschauen, zu ernten und die Ernte zu verarbeiten, und die Früchte meiner Arbeit zu genießen und zu teilen. Ich merke, daß mein Leben sich ein Stückweit an den Garten und die Jahreszeiten anpasst, einen Rhythmus „wie früher“ findet, und das finde ich ganz schön. Daß nach der Ernte die anstrengende Einkochzeit kommt, und im Winter die Ruhezeit, bevor es im Frühjahr wieder mit dem Vorziehen und Sähen und pflanzen losgeht.

Und ich weiß auch gar nicht, an wen ich den Dank eigentlich richten soll, den ich empfinde für all die schönen Gemüse und Blumen und Früchte und Kräuter, daß sie einfach gedeihen, quasi für das Wunder des Lebens an sich, am nächsten dran wäre wohl nach meinem Empfinden „Mutter Erde“. Oder auch ohne Adressat.
In meinem Hinterhofgarten ist so viel tolles passiert. Ich habe Einlegegurken und Salatgurken und Paprika und viele verschiedene Tomaten geerntet, ein bißchen Broccoli und genug Bohnen für einmal Chillie,img_4373

ein paar Silberzwiebeln, Erbsen, Kopfsalat und Pflücksalat, ein paar irre leckere Babymöhren und einen kleinen Lauch, ein paar Radießchen, gleich 4 kleine Melonen,img_4326

img_4344Erdbeeren, Stachelbeeren, ein paar Johannisbeeren und Brombeeren, paar Heidelbeeren und paar Physalis, nur eine Zucchini, ich hab einen Haufen Kräuter geerntet und verschiedene Minzen, ein paar Leinsamen, genug für dreimal ins Müsli schmeißen, ich habe einer mickrigen Okra beim wachsen zugeschautimg_4351

und eine tolle Artischockenblüte gehabt,img_4321

mein griechischer Tee steht jetzt im warmen auf der Fensterbank, da hab ich Hoffnungen für’s nächste Jahr, ich hoffe auch, daß mein mickriger Blutampfer durch den Winter kommt, und ich hatte zwar wenige Blümchen, aber schon schöne, eine lila Ballonblume und eine rosane, deren Namen ich mir nicht merken kann, und Zinnien und eine Blumenmischung für die Bienen. Und Mohn. Und einiges hab ich jetzt sicher vergessen.

Und ich habe nicht nur viel gleich genascht, oder gegessen. Ich habe 18 Gläser Tomatensugo eingekocht, ich werde wohl kein einziges Tomatenprodukt kaufen müssen diesen Winter, ich habe 7 Gläser Ajvar eingekocht, ich habe etwa 10 Gläser sauere Gurken und 8 Gläser süß-sauren Paprika, Kräutersirup, und Kräuteressig und Estragonessig auch zum Verschenken. Ich habe ein winziges Gläschen Silberzwiebelchen, das halte ich in Ehren. Ich habe Kräuter eingefroren für den Winter, und Pfefferminztee getrocknet, und viele Samen für das nächste Jahr gesammelt.Und Leinsamen gepult.

img_4402Das war schon ne Menge Arbeit (Auf dem Foto ist nicht alles aus dem Garten, aber alles von diesem Jahr) , aber ich freue mich sehr, daß das so geklappt hat, das ist bei meinen Gesundheitsverhältnissen gar nicht selbstverständlich. Und ein bißchen stolz bin ich auch.
Ich freue mich aber auch, daß ich mit dem Garten gutes, regionales und saisonales quasi Bioessen haben kann, die eingekochten Sachen werden mir nicht nur finanziell eine Hilfe sein über den Winter, sondern jedes Glas davon erspart es mir auch, etwas zu kaufen was unter üblen Bedingungen hergestellt wurde.

Und für all das möchte ich einfach mal Danke sagen, an oben genannte Menschen und an wen auch immer.

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