Ein Euro für wen?

Ich habe gerade einen neuen Telefon/Internetvertrag abgeschlossen, und ich zahle für die nächsten 2 Jahre 15 Euro weniger als bisher. Ich möchte das freiwerdenen Geld dafür nutzen, einen Teil der Projekte zu unterstützen, die ich eh nutze oder ganz wichtig finde, und für die ich sonst kein Geld habe, egal wie wichtig ich sie finde. Ich möchte 5 Euro pro Monat in meinem Budget für spontane Aktionen offen lassen, und 10 Sachen mit je einem Euro für 2 Jahre/bis auf weiteres unterstützen (und möglicherweise zwischendurch EmpfängerIn wechseln). Das ist nicht, viel, eher symbolisch, aber das ist das, was ich kann. Bei manchen Sachen bin ich sicher, wer mein Geld haben soll, bei anderen kann ich ein bißchen Input gebrauchen. Mein neuer Vertrag läuft ab Januar, so daß ich zwischen den Jahren in Ruhe Daueraufrtäge einrichten kann, und ich hoffe, mit Eurem Input bis dahin noch die Empfängerinnen der letzten Euros festzulegen. Am Ende schreibe ich nochmal ein paar Worte zu meiner Motivation.

Medien

Die Medien haben es ja echt nicht einfach, aber sie sind sooo wichtig für uns, deswegen unterstütze ich gerne ein paar, und vielleicht habt Ihr ja auch nen Euro übrig und wollt Eure Lieblingsmedien unterstützen.

Netzpolitik.org
Der erste Euro geht an Netzpolitik.org , nicht nur für die immens wichtige Arbeit, sondern auch weil sie nach wie vor kostenlos Inhalte anbieten, so daß nicht so reiche Leute wie ich nicht ausgeschlossen werden. Vielen Dank dafür, das ist so wichtig.
In der rechten Spalte steht hier eine Kontonummer zum Geld rüberschieben.

Der zweite Euro geht an die taz.
Auch die taz lässt mich uneingeschränkt mitlesen, und auch wenn sie nicht meine Hauptnachrichtenquelle ist, möchte ich sie für ihr Geschäftmodell belohnen, und Danke dafür sagen.
Die taz kann man hier unterstützen.

Der Dritte Euro geht an das nd:
Hier können Leute mit wenig Geld zwar nicht uneingeschränkt mitlesen, aber als ich das thematisiert habe, bin ich auf freundliche und verständnisvolle Ohren gestossen, ich denke es gibt da ein Problembewusstsein, und mir wurde für ein halbes Jahr ein Account aus Spendengeldern freigeschaltet. Vielen Dank hierfür. Aber ich wünsche mir langfristig eine Lösung für alle, keine Privatlösung, deshalb soll mein Euro eine Ermutigung an das nd sein, eine Möglichkeit zufinden, die arme Menschen teilhaben lässt.
Hier habe ich keine Kontonummer für Spenden gefunden, aber das reiche ich nach, wenn ich das rausfinde.

Kein Euro für die SZ
An die SZ habe ich vor einer ganzen Weile einen offenen Brief geschickt. Damals hatte ich etwas Kontakt, meine Kritik wurde aufgenommen und weitergeleitet, mir wurde für ein Jahr ein Account freigeschaltet, ich habe dann aber trotz entsprechender Zusage nichts mehr gehört, ich habe auch nicht davon gehört, daß sich für ärmere Menschen irgendwas geändert hat, und auf meine letzte Emailanfragen habe ich nicht einmal mehr eine Antwort bekommen. Inzwischen muß man bei der SZ Online auch den Adblocker ausschalten oder sich registrieren und sein Leseverhalten mitloggen lassen und sich dann Aboanbebote unterbreiten lassen. Auch wenn man gar kein Abo bezahlen kann. Privatsphäre gibt es nur für Leute, die sich ein Printabo oder die SZ am Kiosk leisten können, oder die sich Werbung reinziehen (auch wenn sie nichts kaufen können). Also unterm Strich gibt es dafür keinen Euro von mir. Schade. Die SZ hat bestimmt mehr Geld als die taz und könnte sich was ausdenken, wenn sie wollte.
Wenn Ihr der SZ Geld geben wollt, müßt ihr das selber raussuchen, ich fühl mich da grade nicht so solidarisch.

Ganz allgemein finde ich, daß auch arme Leute jenseits vom Fernsehen Zugang zu Meinungsvielfalt und soliden/hintergründigen Nachrichten haben sollten, und daß auch Wirtschaftsunternehmen eine gesellschaftliche Verantwortung tragen. Dafür sollten sich allgemeine Lösungen finden lassen.
Und es gibt auch ganz viele kleinere journalistische Angebote, die ich wichtig finde und gerne unterstützen würde, es kann sein, daß ich im Laufe der zwei Jahre hier noch wechsle. Ich denke zum Beispiel an ÜberMedien, an die Graswaswurzelrevolution, und die vielen kleineren und spannenden Sachen, die mir in den Social Media reinflattern. Anregungen für weitere unterstützenswerte Medien könnt Ihr gerne in den Kommentaren hinterlassen.

Grundrechte

Es gibt einige Leute, die sich für uns alle dafür einsetzen, daß unsere Grundrechte nicht unter die Räder kommen, oder besser, sie unter den Rädern wieder hervorzuzerren.

Gesellschaft für Freiheitsrechte (GFF)
Das ist ein neuer Verein, der mit rechtlichen Mitteln für Grund- und Freiheitsrechte kämpfen will, und das ist auch bitter nötig. Es ist schon eine Verfassungsbeschwerde gemeinsam mit Amnesty International gegen die strategische Telekommunikationsüberwachung durch den BND in Arbeit. Da geb ich gerne nen Euro. Hier kann man Spenden.

sanktionsfrei?
Der Verein sanktionsfrei e. V.  unterstützt sanktionierte Hartz-4-EmpfängerInnen bei Klagen, mit den Ziel, Sanktionen ganz abzuschaffen. Ich mag die grundlegende Herangehensweise, aber ich habe relativ wenig Informationen darüber und finde die Webseite auch unübersichtlich und informationsarm. Ich bin nicht sicher, ob das ein passender Adressat für meinen Euro ist, hier würde ich mich über Anregungen/Einschätzungen freuen, ich möchte gerne was im Hartz-4 Bereich machen, und zwar was auf grundsätzliche Verbesserung abzielt.

Freie Software/Was ich regelmäßig nutze

Kein GMX
Einen meiner Euros möchte ich dafür nutzen, mich endlich von GMX und seinen nicht enden wollenden Werbemails zu verabschieden, und ein Postfach bei posteo oder ähnliches eröffnen, die ich für wesentlich unterstützenswerter halte. Ich finde, es sollte viel mehr Dienste/Optionen von Anbietern geben, die für kleines Geld werbefrei sind und auch datenschutzbewusst.

Gnusocial
Nutze ich täglich, und lebt von dem Engagement und der Unterstützung der Community. Deshalb gibt’s ganz klar nen Euro. Antikapitalistisch, dezentral, werbefrei und wirklich schön da. Zum Beispiel hier (rechte Spalte) kann man das unterstützen.

Andere freie Software
Den dritten Euro in diesem Bereich möchte ich einem Projekt zukommen lassen, das ich nutze und das knapp bei Kasse ist. Leider habe ich so als nicht-Nerd keine Ahnung, wer den brauchen könnte. Ich nutze XMPP (Psi Plus), NoScript, Ubuntu, UBlockOrigin, und einige Programme (zumindest theoretisch) wie Audacity, Mumble, LibreOffice, und ein Verschlüsselungsprojekt wie tor oder GPG fände ich auch unterstützenswert. Hat jemand hier Vorschläge oder Empfehlungen? Oder weiß, daß ein Projekt genug Geld hat und keine dringende Unterstützung braucht? Oder Alternativvorschläge?

Linke Projekte

Ein antifaschistisches Projekt…
Ich würde gerne auch ein Antifaschistisches Projekt unterstützen. Ich denke an das Antifaschistische Informations- und Dokumentationsarchiv AIDA hier in München. Ich habe keine Ahnung, ob die von irgendwo gefördert werden, oder genug haben, aber wenn sie sich finanzieren können, haben sie bestimmt ne Idee, welche Antifaschistische Arbeit sonst unterstützenswert ist.Da schreib ich mal ne Mail und frag nach. Oder habt Ihr da noch gute Ideen? Die Kontonummer steht ganz unten auf der Seite.

Der letzte Euro
Den letzten Euro würde ich gerne in ein anarchistisches Projekt stecken. Daß darf sehr gerne etwas kleines, lokales sein, gerne irgendwo, es kann etwas Alternativkulturelles sein, zum Beispiel, und die Idee sollte mein Herz erwärmen, gerne was kreatives. Spontan fällt mir da nichts ein. Gibt es Anarchistische KulturveranstalterInnen? Einen Umsonstladen mit Kontonummer? Eine kleine Nische, die es schwer hat mit dem Überleben? Weiß da jemand von Euch etwas cooles? Also, ich denke weiter drüber nach.

So. Möglilcherweise ändert sich noch das ein oder andere, bis ich die Daueraufträge einrichte. Natürlich gibt es jetzt viele, die ich gut finde, und die nichts bekommen. Aber meine Ressourcen sind wirklich begrenzt. Die Leute, die mehr Geld haben, können sich ja überlegen, auch ein bißchen was zu verteilen. An einem Refugeeprojekt, Foodsharing und einer solidarische Landwirtschaft nehme ich anderweitig teil. Ich glaube, damit ist das was mir wichtig ist, grob abgebildet. Seit Jahren überlege ich, wie ich mich engagieren kann für Belange, die mir wichtig sind. Ich gehe viel zu selten auf Demos, ich finde Petitionen unterschreiben nicht ausreichend, aber ich tu mich mit meiner gesundheitlichen Situation extrem schwer, mich an Projekten aktiv und zuverlässig zu beteiligen. Ich bin aber der Überzeugung, daß jedeR dafür selbst verantwortlich ist, im möglichen Rahmen einen kleinen politischen und gesellschaftlichen Beitrag zu leisten.Und ich freue mich sehr, daß mir der günstigere Telefonvertrag es jetzt ermöglicht, für ein paar Sachen einzustehen. In minimalem Rahmen.

3 thoughts on “Ein Euro für wen?

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>