Warum ich Mitglied bei der Linken werde

Vorab: Ich war vorher nie Mitglied einer Partei und wollte das auch nie, auch wenn die Piraten eine Zeit lang sehr interessant waren. Ich bin da keineswegs eine Überzeugungstäterin, sondern betrachte es eher als notwendiges Übel.

Ich war extrem frustriert darüber, daß der Vorstand der Linken Sarah Wagenknecht zur Spitzenkandidatin gemacht hat, anstatt die Mitglieder zu befragen. Ich habe mich gefragt, ob die Linke so für mich überhaupt wählbar ist.

Ich bin mit vielem was Sarah Wagenknecht so von sich gibt nicht einverstanden, und sie ist nunmal die Lautsprecherin der Linken. Aber: Mit den allermeisten LautsprecherInnen anderer Parteien bin ich viel, viel weniger einverstanden, und in Zeiten wie diesen können wir meiner Meinung nach nicht darauf verzichten, unsere Stimmen ins Parlament zu tragen. Und in einer linken Fraktion hat Sarah Wagenknecht auch nur eine Stimme, genau wie alle anderen Linken, die wir ins Parlament wählen, und je mehr das sind, desto mehr können auch andere Stimmen lauter werden.

Und für mich ist die Linke auch viel mehr als das geringste Übel oder eine Stimme gegen die AfD (und da brauchen wir jede).

Auch wenn Sicherheit und Flüchtlingspolitik in aller Munde sind, wählen wir ein Parlament für alles. Und für mich steht Sozialpolitik ganz vorne dabei.

Die Linke will Hartz4-Sanktionen abschaffen. Das ist für mich schon quasi alternativlos.
Die Linke will Erbschaftssteuer, Vermögenssteuer und umverteilen. Da bin ich dabei, und da seh ich bei den anderen Parteien nicht viel und ich halte das für allerdringendst notwendig.
In vielen Punkten steht die Linke für einen Richtungswechsel, und darüber hinaus steht sie für vieles, was ich richtig finde.
Auch wenn mir einige Details nicht so gefallen, die grobe Richtung stimmt, und zwar so viel mehr als bei allen Alternativen.

Und darauf warten, daß mir die perfekte Partei mit den perfekten KandidatInnen angeboten wird kann ich lange. Und auch darauf, daß die Anarchie ausbricht. Das wird nicht passieren. Ich finde es im Moment viel mehr sinnvoll, mit dem zu arbeiten was da ist, und positiv darauf einzuwirken (zum Beispiel als Linken-Mitglied fürs Regieren anstatt Opposition zu appellieren), deswegen gehe ich diesen Schritt. Ich möchte der Linken den Rücken stärken, in meinen Augen ist sie die letzte linke Partei die wir noch haben, und ein Richtungswechsel in der Politik ist wirklich bitter nötig, hierfür ist die Linke die einzig wählbare Partei. Und jetzt ist die Zeit in die Linke einzutreten, oder mit Ihr zu reden und sie hören zu wollen, und sich einzubringen, nach der Bundestagswahl ist es zu spät.
Aber:
Das wird eine Mitgliedschaft auf Bewährung. Das bedeutet nicht, daß ich ab jetzt bei jeder Wahl die Linke wähle.
Das bedeutet auch nicht, daß ich jetzt 30 Jahre lang Mitglied bleibe, egal was für Mist gebaut wird.
Und das bedeutet auch nicht, daß ich mich fortan nur noch für die Linke Engagenment aufbringe, ich bin nach wie vor der Meinung, daß Politik von unten und außerhalb der Parlamente gemacht wird, es braucht beides.

Es bedeutet daß ich starke linke Kräfte und einen Richtungwechsel in der Politik sehen will, und hiermit meinen winzigen Beitrag leisten will. Und als Parteimitglied kann ich vielleicht eher Einfluß auf die Dinge nehmen, die ich gerne anders hätte.

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