Mein Briefkasten, die Post, die Stadtwerke, ihr Heftchen und ich.

IMG_4578Ich bin eine Briefkastenfetischistin. Ich will überhaupt nichts überflüssiges in meinem Briefkasten haben. Ich hab keinen Bock auf Werbung, keinen Bock auf unnötigen Umweltdreck, und auch keinen Bock auf ignorante Arschlöcher (ich sag es deutlich), die meine Wünsche hier missachten.

Ich stehe auf der Robinsonliste, bei meinem Internet- und Telefonanbieter habe ich mich für Werbeangebote sperren lassen, ebenso für Kundenmagazine meiner Krankenkasse, mein bevorzugter Klamottenversand darf mir keine Kataloge schicken, wenn ich irgendwo mal was bestelle, hagelt es sofort einen Anruf zum Sperren, wenn ich Werbung von denen im Briefkasten finde. Wenn ich Kataloge von Unternehmen bekomme, die ich nicht kenne, schicke ich gerne mal ein Datenschutzsauskunftsgesuch. Und wenn ich dabei rausfinde, das irgendein anderes Unternehmen meine Daten weitergegeben hat, kriegen die auch gleich ein Datenschutzauskunftsgesuch. Ich mache mir da immer wieder Mühe, weil ich es kann. Ich bin Erwerbsunfähigkeitsrentnerin mit wenig körperlicher Belastbarkeit aber erstmal viel Zeit.

Und im Normalfall ist das effektiv (also langfristig). Ich habe im Schnitt vielleicht einmal die Woche was im Briefkasten. Und meistens sind das Rechnungen, oder private Post, oder irgendwas, das wichtig ist oder das ich erwarte. Ein ewiges Ärgerniss sind Lieferdienste, die meinen Aufkleber „Keine Werbung und keine kostenlosen Zeitungen einwerfen“ ignorieren. An der Stelle muß ich mir nochmal was ausdenken.
Und sonst kriege ich nur noch sehr sporadisch irgendwas.

Und hier habe ich mich gerade an etwas sehr hartnäckigem festgebissen. Ich erzähle das etwas verkürzt, das waren viele Kontakte über Wochen hinweg, per Twitter, per Servicetelefon und per Mail, und es ist auch nicht chronologisch erzählt, weil es mehrere Themen teilweise parallel gab.

Die Stadtwerke München geben ein „Servicemagazin“ (schaut das gerne mal an, und überlegt Euch, wie Ihr das einordnen würdet) raus. Viele MünchnerInnen kriegen Strom und Wärme von den Stadtwerken, aber ich nicht. Und ich will dieses Heftchen nicht haben. Ich habe keinen Vertrag mit den Stadtwerken, also bin ich keine Kundin, ganz eindeutig. Deswegen habe ich schon vor vielen Monaten bei den Stadtwerken angerufen, und mich dafür Sperren lassen. Das wurde zwar angenommen, für adressierte Hefte. Aber unadressierte erhalte ich weiterhin.

Eine Servicemitarbeiterin argumentierte, daß ich ja Wasser von den Stadtwerken bekomme. Auch hierüber habe ich keinen Vertrag mit den Stadtwerken, höchstens mein Vermieter, dann ist der Kunde, und mit dem gleichen Argument könnte die Straßenbaufirma, die in München die Straßen baut, auf denen ich gehe, argumentieren, daß ich ihre Kundin bin. Dann ging es darum, warum die Stadtwerke denken, meinen Aufkleber „Keine Werbung und keine kostenlose Zeitungen einwerfen“ ignorieren zu dürfen.

Zuerst hieß es, das ist keine Werbung, denn es sind ja redaktionelle Beiträge drin.

Dann sagte ich, also ist es eine kostenlose Zeitung, die laut meinem Aufkleber auch nicht eingeworfen werden darf.

Dann hieß es, nein, es ist keine kostenlose Zeitung, es ist eine „wichtige Verbraucherinformation“, die trotz der Aufkleber eingeworfen wird. Dann habe ich gefragt, wo denn in dem Heft eine „wichtige Verbraucherinformation“ ist, und ob sich in 2017 nicht alle über Unternehmensebseite, Facebook, Twitter, Newsletter wichtige Verbraucherinformationen holen können, und in welchem Gesetz oder Gerichturteil oder in welcher Vorschrift das steht, daß „wichtige Verbraucherinformationen“ trotz Aufkleber eingeworfen werden dürfen.

Das habe ich mindestens zweimal gefragt, aber das hat die Servicemitarbeiterin nicht beantwortet.
Stattdessen sagte sie mir, daß diese Sache mit der „wichtigen Verbraucherinformation“ ein Angebot der Post wäre, und daß die Post an alle liefert, ohne Möglichkeit, sich sperren zu lassen.

Also habe ich bei der Servicenummer der Post angerufen, und dem Postservicemitarbeiter die Lage geschildert, daraufhin fragte er mich nach meinen Adressdaten und sagte mir, ich wäre fortan dafür gesperrt.

Erstmal hatte ich da kein großes Vertrauen, daß das klappt, aber einige Zeit später klingelte mein Briefträger wegen einem dicken Umschlag, und bei der Gelegenheit hat er sich herzlich bei mir über meine Beschwerde bedankt, weil er mit diesem Riesenpapierwust von den Stadtwerken so unglücklich ist, den er immer an alle verteilen muß, ob sie wollen oder nicht. Er wurde wohl gefragt, ob ich so einen Aufkleber auf dem Briefkasten habe.

Daraufhin habe ich mich nochmal an die Stadtwerke gewendet, zum einen um zu sagen, daß die Info, daß keine Sperrung möglich ist, falsch ist.
Und ich hab noch einmal klargestellt, daß ich keine Kundin bin und nochmal nach der Rechtsgrundlage für das Ignorieren des Aufklebers gefragt, und weil ich den Eindruck hatte, daß sich die Mitarbeiterin sehr rauswindet oder gar nicht reagiert, habe ich auch explizit gesagt, daß Sie gerne meine Fragen an andere Stellen weiterleiten kann, wenn sie dem selbst nichts zuzufügen hat. (Also das alles wurde vom Service-Twitteraccount bzw. der Service-Emailadresse beantwortet, das sind keine offiziellen Aussagen der Stadtwerke).

Darauf kam die Antwort, daß sich die Mitarbeiterin mit Ihrem Ansprechpartner bei der Post in Verbindung gesetzt hat, der noch einmal bestätigt habe, daß es sich dabei um eine unaddressierte Sendung handle, und da gebe es keine Möglichkeit sich sperren zu lassen, es würde beide wundern, daß ich so eine Aussage erhalten habe, und ob ich den Mitarbeiter bei der Post und dessen Telefonnummer nennen könnte. Darüber hinaus ist alles unbeantwortet geblieben.

Ich schrub zurück, daß ich den Mitarbeiter bei der Post nicht nennen kann, daß es aber ganz offensichtlich weitergeleitet wurde, da mein Briefträger mich darauf angesprochen hat.
Dann fragte ich nochmal nach den Rechtsgrundlagen der Verteilung, und wer entscheidet, was eine wichtige Verbraucherinformation ist. Ob das die Stadtwerke entscheiden,weil sie das so wollen, oder die Post, weil sie damit Geld verdienen will?

Die Mitarbeiterin wiederholte, daß das ein Angebot der deutschen Post sei, und die Stadtwerke das wahrnähmen. Bevor ein neues M-Direkt gedruckt würde, würde die Post dies auf Werbegehalt prüfen und ob M-Direkt die Verteilkriterien „sämtliche Haushalte“ erfüllen würden.

Und an der Stelle bin ich noch wütender geworden, als ich eh schon war.

Ich weiß nicht, was die Rechtsgrundlage ist, mit der die Aufkleber ignoriert werden dürfen.
Ich weiß auch nicht, was die Prüfkriterien für Werbegehalt sind (die Post hat kein Kontaktformular oder Serviceemail, nur Telefon, aber das hätte ich gerne schriftlich erfragt, war bislang zu faul zum Brief schreiben, hab auch auf der Webseite beim groben schauen nichts gefunden) und auch ganz ohne Werbung ist es noch ne kostenlose Zeitschrift
Oder die Kriterien für sämtliche Haushalte.

Aber ich weiß, wie so ein Heftchen aussieht. Es sieht ganz und gar nicht nach wichtiger Verbraucherinformation aus. Und ich weiß, daß die Post das prüft, die ein finanzielles Interesse daran hat, in welcher Stückzahl sie die Dinger verteilen kann. Und auch die Stadtwerke haben ein Interesse an der Verbreitung. Ich hab da meine Zweifel, wie neutral so eine Prüfung sein kann, und je mehr die Mitarbeiterin sich da rauswund oder nicht reagierte, desto mehr habe ich das Gefühl, daß da mal viel Licht in diese Intranzparenz gehört.

Laut der Webseite der Stadt München gab es Ende 2015 (das sind da die letzten Zahlen) 822.906 Haushalte in München, ich würde denken, es gibt ähnlich viele Briefkästen.
Ich habe keine Ahnung, wieviele davon Aufkleber auf dem Briefkasten haben.
In meinem Haus sind von 18 Briefkästen:
10 mit Aufkleber „Keine Werbung und keine kostenlosen Zeitungen einwefen“
3 mit Aufkleber „Keine Werbung einwerfen“

Also ich vermute es geht bei jeder unaddressierten Ausgabe um hundertausende Haushalte, die das trotz Aufkleber bekommen. Das ist jetzt nicht so wenig, das ist ne Menge ungewolltes Altpapier. Und letztes Jahr gab es vier Ausgaben (ich weiß nicht, wie viele addressiert waren). Ich finde, das ist so ne große Menge, daß es sich lohnen würde, da dranzubleiben.

Die Stadtwerke wollen offenbar das Ignorieren der Aufkleber („alle Haushalte“), denn sie lassen das Heftchen extra daraufhin prüfen, sie könnten sich auch von Anfang an dazu entscheiden, die Aufkleber zu achten, oder Ihre Heftchen zu addressieren (dann kann man sich nämlich sperren lassen oder zufügen lassen). In dem ganzen Dialog hatte ich keine Sekunde das Gefühl, daß es irgendwen kümmert, daß ich das Heft nicht will, im Gegenteil. Nichtmal was in die Richtung wie „Ihre Beschwerde wird weitergeleitet“ oder irgendwas. Und die Stadtwerke versuchen sich immer in ein umweltfreundliches Licht zu rücken, auch mit diesen Heftchen, das wär doch mal ein Ansatz, weniger Müll zu produzieren.

Ich war so wütend über die ganze Sache, ich hab nochmal geantwortet, unteranderem habe ich die Mitarbeiterin aufgefordert mal Tacheles zu reden, sie solle doch einfach sagen
„Ja wir machen das, weil wir das so wollen, und uns ist scheißegal, ob Sie nen Aufkleber haben oder wie Sie das finden.“.
Genau das Gefühl hatte ich nach dem Dialog. Und überraschenderweise habe ich auch bisher keine Antwort mehr bekommen. ;-)

Fazit: So wie es sich mir im Moment darstellt, werde ich das Heftchen wohl nicht mehr bekommen. Ich kann es also an dieser Stelle auf sich beruhen lassen. Ich ziehe noch in Erwägung, die Verbraucherzentrale hinzuzuziehen, da muß ich aber erstmal auch 25 Euro auf den Tisch legen.

Aber über mich selbst hinaus erbost mich die ganze Sache, und der ganze Umweltdreck. Ich bin keine Journalistin, die da mal Anfragen an die Pressestelle richten kann, hab keine Routine im Nachrecherchieren und ich bin auch finanziell nicht so ausgestattet, daß ich mich da so richtig reinverbeissen kann, auch ggf. rechtlich.

Aber wenn das jemand möchte, kann ich meine Unterstützung anbieten. Ich finde einfach, so geht es nicht. Aber vielleicht finde nur ich das so.

Disclaimer: Ich finde die Stadtwerke München sind ein sympathisches Unternehmen. Aber: Sympathische Unternehmen machen sowas nicht.

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